«Non bisogna mettere a confronto ciò che è inconfrontabile», schreibt Bernhard-Henry Lévy in der italienischen Tageszeitung la Repubblica vom 1. April 2022, «e io odio visceralmente il modo in cui il Cremlino parla di nazificazione dell'Ucraina e come sta strumentalizzando la Shoah nel tentativo di trascinarmi dentro al suo ingranaggio». Mit diesen Worten hat der französische Intellektuelle unmissverständlich die Instrumentalisierung eines präzedenzlosen Völkermordes seitens des russischen Präsidenten Wladimir Putin in der Ukraine-Krise für seine nationalistischen Bestrebungen zurückgewiesen und das Propaganda-Narrativ der von Nazis besetzten Ukraine und deren Entnazifizierung entschieden attackiert. Doch nicht erst seit Putins ,militärischer Spezialoperation‘ gegen die Ukraine gibt es heute wieder einen gesellschaftspolitischen Resonanzraum, in dem die Shoah relativiert und banalisiert wird. Auch in der COVID-19-Pandemie haben Corona-Leugner*innen eine Bühne gefunden, auf der sie in schamloser Selbstverständlichkeit ihre schockierenden und moralisch verwerflichen Vergleiche mit der Shoah ziehen und No-Vax-Gegner offen ihre antijüdischen Diskurse propagieren. Mit legitimer Meinungsäußerung hat dies wahrlich nichts zu tun. Vor diesem Hintergrund bekommt das gesamtgesellschaftliche Engagement gegen Antisemitismus eine besondere Relevanz. Politik, Zivilgesellschaft und Wissenschaft sind dazu aufgerufen, durch die Förderung von Dialog, gegenseitigem Respekt und Verständnis dieser großen Bandbreite antisemitischer Phänomene entschlossen entgegenzutreten. Einen Versuch in diese Richtung unternahm eine internationale DAAD-Alumni-Tagung, die sich kritisch in diese unterschiedlichen Diskurse in Deutschland und Italien einbringen wollte. Dass für die Veranstaltung auch der Beauftragte der Bundesregierung für jüdisches Leben und den Kampf gegen Antisemitismus, Felix Klein, sowie die Coordinatrice nazionale per la lotta all’antisemitismo, Milena Santerini, gewonnen werden konnten, unterstreicht nicht nur die Bedeutung einer derartigen Initiative, sondern auch den hohen Stellenwert, den beide Länder dem Thema Antisemitismus beimessen. Die DAAD-Alumni-Veranstaltung fand unter dem Titel Antisemitismus in Deutschland und Italien. Kontrastive Perspektiven auf ein gesamtgesellschaftliches Phänomen vom 22.-24. Juli 2021 am Deutsch-Italienischen Zentrum für den Europäischen Dialog Villa Vigoni statt. Das Resultat dieser Tagung liegt nun in gedruckter Form vor. Die als Vortrag konzipierten Beiträge wurden speziell für dieses Themenheft überarbeitet und aktualisiert. Adressierte die Tagung das akademische Fachpublikum, so nimmt die Veröffentlichung der Ergebnisse in der Zeitschrift Cultura tedesca nun eine wichtige Transferfunktion zwischen Wissenschaft und Öffentlichkeit war.

Antisemitismus

Moraldo, Sandro M.
2022

Abstract

«Non bisogna mettere a confronto ciò che è inconfrontabile», schreibt Bernhard-Henry Lévy in der italienischen Tageszeitung la Repubblica vom 1. April 2022, «e io odio visceralmente il modo in cui il Cremlino parla di nazificazione dell'Ucraina e come sta strumentalizzando la Shoah nel tentativo di trascinarmi dentro al suo ingranaggio». Mit diesen Worten hat der französische Intellektuelle unmissverständlich die Instrumentalisierung eines präzedenzlosen Völkermordes seitens des russischen Präsidenten Wladimir Putin in der Ukraine-Krise für seine nationalistischen Bestrebungen zurückgewiesen und das Propaganda-Narrativ der von Nazis besetzten Ukraine und deren Entnazifizierung entschieden attackiert. Doch nicht erst seit Putins ,militärischer Spezialoperation‘ gegen die Ukraine gibt es heute wieder einen gesellschaftspolitischen Resonanzraum, in dem die Shoah relativiert und banalisiert wird. Auch in der COVID-19-Pandemie haben Corona-Leugner*innen eine Bühne gefunden, auf der sie in schamloser Selbstverständlichkeit ihre schockierenden und moralisch verwerflichen Vergleiche mit der Shoah ziehen und No-Vax-Gegner offen ihre antijüdischen Diskurse propagieren. Mit legitimer Meinungsäußerung hat dies wahrlich nichts zu tun. Vor diesem Hintergrund bekommt das gesamtgesellschaftliche Engagement gegen Antisemitismus eine besondere Relevanz. Politik, Zivilgesellschaft und Wissenschaft sind dazu aufgerufen, durch die Förderung von Dialog, gegenseitigem Respekt und Verständnis dieser großen Bandbreite antisemitischer Phänomene entschlossen entgegenzutreten. Einen Versuch in diese Richtung unternahm eine internationale DAAD-Alumni-Tagung, die sich kritisch in diese unterschiedlichen Diskurse in Deutschland und Italien einbringen wollte. Dass für die Veranstaltung auch der Beauftragte der Bundesregierung für jüdisches Leben und den Kampf gegen Antisemitismus, Felix Klein, sowie die Coordinatrice nazionale per la lotta all’antisemitismo, Milena Santerini, gewonnen werden konnten, unterstreicht nicht nur die Bedeutung einer derartigen Initiative, sondern auch den hohen Stellenwert, den beide Länder dem Thema Antisemitismus beimessen. Die DAAD-Alumni-Veranstaltung fand unter dem Titel Antisemitismus in Deutschland und Italien. Kontrastive Perspektiven auf ein gesamtgesellschaftliches Phänomen vom 22.-24. Juli 2021 am Deutsch-Italienischen Zentrum für den Europäischen Dialog Villa Vigoni statt. Das Resultat dieser Tagung liegt nun in gedruckter Form vor. Die als Vortrag konzipierten Beiträge wurden speziell für dieses Themenheft überarbeitet und aktualisiert. Adressierte die Tagung das akademische Fachpublikum, so nimmt die Veröffentlichung der Ergebnisse in der Zeitschrift Cultura tedesca nun eine wichtige Transferfunktion zwischen Wissenschaft und Öffentlichkeit war.
243
9788857593999
Moraldo, Sandro M.
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