Auf der Grundlage eines transkribierten Korpus von Unterrichtsstunden im Fach Deutsch als Fremdsprache in verschiedenen Unterrichtskontexten und auf unterschiedlichen Lernniveaus werden Strategien der mündlichen Fehlerkorrektur analysiert und anschließend metareflexiv kommentiert. In diesem Prozess treten die teil widersprüchlichen Einstellungen der Lehrpersonen zur mündlichen Fehlerkorrektur deutlich durch den Gebrauch von aussagekräftigen Metaphern hervor. Im Interpretationsprozess der Metaphern werden diese weiterentwickelt und geben zusätzlichen Aufschluss über kognitive Frames, die bei ihrer Verarbeitung aktiviert werden. Wir verfolgen im Gespräch einen komplexen Bearbeitungsprozess, bei dem Interpretationen der Metapher zu deren bildlichen Integration und zum Überblenden der Ausgangsmetapher führen, so dass bestimmte “emergente Strukturen” (ich übernehme den Ausdruck von Fauconnier/Turner 2002 ) der Metapher selber entstehen, die auch Auswirkungen auf das Verstehen des Zielbereichs, die Fehlerkorrektur, haben. Die Dynamik des Gesprächs besteht darin, dass bisher nicht angesprochene, affektive Dimensionen in der Diskussion zum Ausdruck kommen, die aus dem konkreten Gesprächskontext und den Bedürfnissen der Gesprächspartner entstehen. Das Zusammenbringen zweier Ideen führt zu etwas Neuem, wobei das Potential und die Grenzen dieser Dynamik durch die sprachliche Struktur der Metapher vorgegeben werden. In diesem Fall wird a) ein Nomen durch ein anderes ersetzt, b) das Verb und die Ergänzung ersetzt, was man beides ohne Weiteres tun kann. (vgl. dazu Beispielanalysen von Cameron/Deignan 2006). Da solche neuen Aspekte von Metaphern nicht immer direkt einsichtig sind, ist mehr Gesprächsarbeit nötig, um sie zu verarbeiten. Gerade bei dem impliziten Emotionsgehalt von Metaphern kommt das zum Ausdruck. Das emotionale Potenzial der Metapher betrifft die Befindlichkeit der Lehrperson beim Korrigieren, deren Korrekturverhalten zumeist indirekt ist, um damit nicht gesichtsbedrohend zu wirken. Es wird vermieden, um die Kommunikation nicht zu unterbrechen. Die eigene Befindlichkeit der Lehrperson scheint in all diesen Überlegungen sekundär zu sein, auch führt Tönshoff (2005) zu diesem Punkt keine Studien an.

Ein Tischtuch glatt streichen. Wie sich eine Metapher im Gespräch entwickelt

THUNE, EVA-MARIA CHRISTINA CHARLOTTE
2010

Abstract

Auf der Grundlage eines transkribierten Korpus von Unterrichtsstunden im Fach Deutsch als Fremdsprache in verschiedenen Unterrichtskontexten und auf unterschiedlichen Lernniveaus werden Strategien der mündlichen Fehlerkorrektur analysiert und anschließend metareflexiv kommentiert. In diesem Prozess treten die teil widersprüchlichen Einstellungen der Lehrpersonen zur mündlichen Fehlerkorrektur deutlich durch den Gebrauch von aussagekräftigen Metaphern hervor. Im Interpretationsprozess der Metaphern werden diese weiterentwickelt und geben zusätzlichen Aufschluss über kognitive Frames, die bei ihrer Verarbeitung aktiviert werden. Wir verfolgen im Gespräch einen komplexen Bearbeitungsprozess, bei dem Interpretationen der Metapher zu deren bildlichen Integration und zum Überblenden der Ausgangsmetapher führen, so dass bestimmte “emergente Strukturen” (ich übernehme den Ausdruck von Fauconnier/Turner 2002 ) der Metapher selber entstehen, die auch Auswirkungen auf das Verstehen des Zielbereichs, die Fehlerkorrektur, haben. Die Dynamik des Gesprächs besteht darin, dass bisher nicht angesprochene, affektive Dimensionen in der Diskussion zum Ausdruck kommen, die aus dem konkreten Gesprächskontext und den Bedürfnissen der Gesprächspartner entstehen. Das Zusammenbringen zweier Ideen führt zu etwas Neuem, wobei das Potential und die Grenzen dieser Dynamik durch die sprachliche Struktur der Metapher vorgegeben werden. In diesem Fall wird a) ein Nomen durch ein anderes ersetzt, b) das Verb und die Ergänzung ersetzt, was man beides ohne Weiteres tun kann. (vgl. dazu Beispielanalysen von Cameron/Deignan 2006). Da solche neuen Aspekte von Metaphern nicht immer direkt einsichtig sind, ist mehr Gesprächsarbeit nötig, um sie zu verarbeiten. Gerade bei dem impliziten Emotionsgehalt von Metaphern kommt das zum Ausdruck. Das emotionale Potenzial der Metapher betrifft die Befindlichkeit der Lehrperson beim Korrigieren, deren Korrekturverhalten zumeist indirekt ist, um damit nicht gesichtsbedrohend zu wirken. Es wird vermieden, um die Kommunikation nicht zu unterbrechen. Die eigene Befindlichkeit der Lehrperson scheint in all diesen Überlegungen sekundär zu sein, auch führt Tönshoff (2005) zu diesem Punkt keine Studien an.
Gedankenstriche. Refelxionen über Sprache als Ressource
217
230
E. Thüne
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