Ein deutsch-italienisches Valenzwörterbuch der Adjektive ist in mehrfacher Hinsicht eine Herausforderung. Allein die allgemeine Konzeption eines solchen pädagogischen Hilfsmittels erfordert die Bereitschaft, über eine eng gefasste und formell eingeschränkte Perspektive der Dependenzerscheinungen im Umfeld des Adjektivs hinaus zu gelangen und auf verschiedenartige Erfordernisse einzugehen. Die Valenz des Adjektivs wurde bisher, außer im veralteten Werk von Sommerfeldt und Schreiber (1974), hauptsächlich in Lee (1994) und Jin Zhu (2004) detailliert behandelt, wobei die entsprechende kontrastive Ausrichtung für unser Sprachenpaar nur teilweise hilfreich ist. Anhand eines in Forlì realisierten Prototyps eines rein elektronischen Wörterbuchs der deutschen und italienischen Adjektive können nun mehrere methodische Fragen in einem aktuelleren Licht fokussiert und erörtert werden. Dabei handelt es sich hauptsächlich um Anliegen der linguistischen Objektbestimmung, der ausgewogenen Lemmaselektion, der kontrastiven bzw. konfrontativen Vollständigkeit, der benutzerorientierten Adäquatheit und der optimalen Einbindung in die breitere Dimension der Computer- und Korpuslinguistik. In linguistischer Hinsicht sind immer noch grundlegende deskriptive Fragen offen, die vor allem syntaktische Eigenschaften der Adjektivvalenz betreffen (z. B. das Inventar der Ergänzungen in Engel 1988). Hinzu kommt das altbekannte Problem einer angemessenen Kategorisierung semantischer Restriktionen, die mit den bisher verwendeten Kategorien nicht immer eindeutig und nachvollziehbar zu erfassen sind. Die Valenzstruktur des Adjektivs ist ihrerseits in den einzelnen Fällen mit anderen Aspekten der Verwendung eng verwoben, etwa attributiv vs. prädikativ vs. applikativ (Weinrich 1993: 479), oder sie korreliert manchmal mit morphologischen Elementen wie bestimmten Suffixen oder sonstigen Ableitungserscheinungen, die eine ursprüngliche Valenzstruktur „importieren“. In einer solchen Perspektive ist auch das Konzept der Felder aus der verborientierten Lexikographie - mit gewissen Anpassungen - nicht nur zu übernehmen, sondern im Lichte neuerer Systematisierungsversuche der lexikalisch-semantischen Inventare (stellvertretend für alle WordNet) zu überdenken. Die kontrastive Ausrichtung eines solchen Wörterbuchs impliziert in erster Linie grundsätzliche Entscheidungen in der Auf- und Gegenüberstellung möglicher Ergänzungsinventare für die Adjektive der beiden Sprachen. Aus dem Versuch, Kontextbeispiele durch Übersetzungen transparent und verständlich zu machen, ergibt sich aber auch die Notwendigkeit, Entsprechungen in Kauf zu nehmen, in denen nicht mehr Adjektive, sondern anders geartete Strukturen wie Präpositionalphrasen, Adverbien oder andere Syntagmen vorkommen. Infolgedessen kann das Inventar der dargestellten Phänomene mitunter weit über das reine Umfeld von Adjektiven und vor allem über die Grenzen eines rein monolingualen Inventars der relevanten Einheiten hinaus gelangen. Benutzerorientiertheit im Internet-Zeitalter ist natürlich ganz anders zu verstehen als in der Tradition der (Buch-)Lexikographie und zwingt schon in der grundlegenden Planung die Autoren dazu, zahlreiche mehr oder weniger radikale Alternativen zu berücksichtigen. Realistischerweise sollte heutzutage ein elektronisches Wörterbuch mit seiner Eintragsstruktur nicht nur ein Destillat aus der Auswertung von Korpora sein, sondern es sollte auch als vernetzte Komponente in einer immer flexibleren Methodik der syntaktischen und lexikalisch-semantischen Untersuchung fungieren (vgl. vor allem die entsprechende Umsetzung in ELDIT).

Die Valenz deutscher und italienischer Adjektive als Internet-Datenbank - theoretische, empirische und informationstechnische Fragestellungen

SOFFRITTI, MARCELLO
2007

Abstract

Ein deutsch-italienisches Valenzwörterbuch der Adjektive ist in mehrfacher Hinsicht eine Herausforderung. Allein die allgemeine Konzeption eines solchen pädagogischen Hilfsmittels erfordert die Bereitschaft, über eine eng gefasste und formell eingeschränkte Perspektive der Dependenzerscheinungen im Umfeld des Adjektivs hinaus zu gelangen und auf verschiedenartige Erfordernisse einzugehen. Die Valenz des Adjektivs wurde bisher, außer im veralteten Werk von Sommerfeldt und Schreiber (1974), hauptsächlich in Lee (1994) und Jin Zhu (2004) detailliert behandelt, wobei die entsprechende kontrastive Ausrichtung für unser Sprachenpaar nur teilweise hilfreich ist. Anhand eines in Forlì realisierten Prototyps eines rein elektronischen Wörterbuchs der deutschen und italienischen Adjektive können nun mehrere methodische Fragen in einem aktuelleren Licht fokussiert und erörtert werden. Dabei handelt es sich hauptsächlich um Anliegen der linguistischen Objektbestimmung, der ausgewogenen Lemmaselektion, der kontrastiven bzw. konfrontativen Vollständigkeit, der benutzerorientierten Adäquatheit und der optimalen Einbindung in die breitere Dimension der Computer- und Korpuslinguistik. In linguistischer Hinsicht sind immer noch grundlegende deskriptive Fragen offen, die vor allem syntaktische Eigenschaften der Adjektivvalenz betreffen (z. B. das Inventar der Ergänzungen in Engel 1988). Hinzu kommt das altbekannte Problem einer angemessenen Kategorisierung semantischer Restriktionen, die mit den bisher verwendeten Kategorien nicht immer eindeutig und nachvollziehbar zu erfassen sind. Die Valenzstruktur des Adjektivs ist ihrerseits in den einzelnen Fällen mit anderen Aspekten der Verwendung eng verwoben, etwa attributiv vs. prädikativ vs. applikativ (Weinrich 1993: 479), oder sie korreliert manchmal mit morphologischen Elementen wie bestimmten Suffixen oder sonstigen Ableitungserscheinungen, die eine ursprüngliche Valenzstruktur „importieren“. In einer solchen Perspektive ist auch das Konzept der Felder aus der verborientierten Lexikographie - mit gewissen Anpassungen - nicht nur zu übernehmen, sondern im Lichte neuerer Systematisierungsversuche der lexikalisch-semantischen Inventare (stellvertretend für alle WordNet) zu überdenken. Die kontrastive Ausrichtung eines solchen Wörterbuchs impliziert in erster Linie grundsätzliche Entscheidungen in der Auf- und Gegenüberstellung möglicher Ergänzungsinventare für die Adjektive der beiden Sprachen. Aus dem Versuch, Kontextbeispiele durch Übersetzungen transparent und verständlich zu machen, ergibt sich aber auch die Notwendigkeit, Entsprechungen in Kauf zu nehmen, in denen nicht mehr Adjektive, sondern anders geartete Strukturen wie Präpositionalphrasen, Adverbien oder andere Syntagmen vorkommen. Infolgedessen kann das Inventar der dargestellten Phänomene mitunter weit über das reine Umfeld von Adjektiven und vor allem über die Grenzen eines rein monolingualen Inventars der relevanten Einheiten hinaus gelangen. Benutzerorientiertheit im Internet-Zeitalter ist natürlich ganz anders zu verstehen als in der Tradition der (Buch-)Lexikographie und zwingt schon in der grundlegenden Planung die Autoren dazu, zahlreiche mehr oder weniger radikale Alternativen zu berücksichtigen. Realistischerweise sollte heutzutage ein elektronisches Wörterbuch mit seiner Eintragsstruktur nicht nur ein Destillat aus der Auswertung von Korpora sein, sondern es sollte auch als vernetzte Komponente in einer immer flexibleren Methodik der syntaktischen und lexikalisch-semantischen Untersuchung fungieren (vgl. vor allem die entsprechende Umsetzung in ELDIT).
Perspektiven Zwei
129
145
M. Soffritti
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